Am 11. Februar 2026
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Ein Berliner Autor über das Gendern

Wenige Themen spalten die Gesellschaft der Autorinnen und Autoren – und noch viel mehr die der Leserinnen und Leser – so sehr wie das Gendern.

Auf der einen Seite: diejenigen, für die das Gendern mit als Pause ausgesprochenem Gendersternchen absolute Grundbedingung für die Kommunikation ist. Und denen gegenüber: solche, die schon die Erwähnung der Möglichkeit, auf beide Geschlechter sprachlich Rücksicht zu nehmen, als Angriff auf ihre persönliche Freiheit sehen.

Und so ist dieser Diskurs in der Gesellschaft immer wieder in Extreme geraten: Es scheint nur noch „für Gendersternchen“ oder „gegen das Gaga“ zu geben, weil nuancierte Meinungen dazu in den sozialen Medien keine Klicks bringen. Praktischerweise lässt sich kaum eine Debatte so gut emotional aufladen wie die um die eigene Sprache, die ja ein fester Teil unserer Identität ist. Sag mir, wie du sprichst, und ich sage dir, wer du bist.
Und dann wollen die einem dir vorschreiben, dass du jetzt gefälligst genderst. Und die anderen erwarten von dir, dass du dem Gendersprech nicht einmal zuhörst.

Irgendwo dazwischen bist du selbst – ein Mensch, der einfach nur denkt, fühlt und seinen eigenen Weg findet. Und da treffen dann wir aufeinander: Ich, ein Autor, und du, mindestens Leserin oder Leser.

Und das, was der Autor will, ist zumindest in meinem Fall, dass sich niemand durch das, was der Autor tut, verletzt fühlen muss. Genau das fühlen aber einige, wenn der Autor fortwährend das generische Maskulinum benutzt. Und auch wenn es einige gibt, die vorgeben, dass sie sich auch durch das Gendern wahrlich verletzt fühlen: Wenn die Realität so aussieht, dass

  • Frauen nach wie vor signifikant weniger verdienen (bei gleicher Qualifikation und Beschäftigungsart),
  • Mädchen der Zugang zu bestimmten Karrieren verwehrt wird und
  • Menschen bei Texten, in denen das generische Maskulinum verwendet wird, bei den erfolgreichen Rollen mehrheitlich an Männer denken

dann trifft der Autor die Abwägung zugunsten des Genderns. Und das, obwohl die Verwendung des Gendersternchens oder die Nennung beider Geschlechter signifikante Nachteile hat.

  • Es stört den Lesefluss.
  • Es behindert das Textverständnis, was vor allem diejenigen trifft, die einfache Sprache brauchen.
  • Es gibt so viele verschiedene Arten und Ansätze des Genderns, dass es auch einfach verwirren kann.

Jetzt muss ich als Autor aber noch eine andere Abwägung treffen: Meine Texte sind Kunstwerke.
Und wenn Kunst zu engen Regeln folgt, dann verliert sie, zumindest in meinem Fall, ihre Seele. Genauso wie wir dringend eine vollständige und umfassende Gleichstellung aller Geschlechter brauchen, ist es leider auch ein Fakt: Viele meiner Texte wären erheblich schlechter, wenn ich darin Gendersprache verwenden würde.

Daher habe ich mich dazu entschieden, bei meinen literarischen Arbeiten weiterhin im generischen Maskulinum zu schreiben, solange sich so der bessere Text ergibt. Und wo es geht, werde ich weiterhin das Augenmerk auch auf geschlechtergerechte Sprache legen.

Und jetzt?

Es gibt so viele verschiedene Ansätze, um die sprachliche Gleichberechtigung der Geschlechter zu lösen. Diejenigen, die bislang probiert werden, reichen für mich als Autoren nicht aus. Also habe ich einen eigenen Ansatz entwickelt: das technische Gendern!

Wir leben in einer Zeit, in der Unmengen von Ressourcen für sinnlose KI-Berechnungen verwendet werden. Und obwohl viele Nutzungen von solchen „KIs“ wie ChatGPT, Gemini etc., einfach keinen nachhaltigen Mehrwert bringen und mehr Probleme verursachen, als sie lösen, wird auf absehbare Zeit jedes Gerät, das Texte anzeigt oder verarbeitet, auch die Möglichkeit dazu haben, auf solche Sprachmodelle zuzugreifen. Mein Telefon kann das sogar schon jetzt, und zwar ohne Internetzugriff!

Warum lassen wir also nicht die Technik ran? Warum kann ich nicht im Smartphone entscheiden, sämtliche Texte so angezeigt zu bekommen, wie ich sie lesen möchte? Warum soll ich nicht selbst entscheiden dürfen, ob ich Gendersternchen, Beidnennung oder einfach das generische Maskulinum haben will?

Sicherlich, auch dieser Ansatz bringt neue Probleme mit sich. Aber an der Stelle bin ich als Autor auch einfach mal egoistisch, wenn ich sage: Sollen das Smartphone oder der E-Reader sich die Arbeit machen. Ich schreibe dann einfach weiter so, wie es mir passt.